Plastikschweißen für den Hausgebrauch...

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noxious
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BeitragVerfasst am: 02.05.2008, 19:58 Antworten mit ZitatNach oben

Also liebe Hausmänner, heute üben wir das Plastikschweißen an Stoßstangen. Zum Cleanen, Umbauen und Stopfen...

Dazu brauchen wir folgendes an Werkzeug und Materialien:

- Raspel
- Drahtbürstenaufsatz samt Dremel oder besser Bohrmaschine/Akkuschrauber
- Heißluftfön
- Nivea-Dose (leer)
- Kleine Platte Holz und ein oder zwei Reißzwecken (jaaaa...)
- evtl. ein Handschuh (für Mädchen...)
- einen breiteren und einen schmalen Spachtel
- Delta- oder Exzenter-Schleifer samt Schleifpapier
- u.U. Lötkolben
- Stoßstangen (zum Cleanen)
- alte PP-Bauteile (z.B. Golf 3 Frontlippen - aber nicht die billigen von ebay)
- Gewalt

(für den Exkurs:
- Fein- oder Füllspachtel mit Plastik-Verträglichkeit
- Sprühfüller
- (Nass-)Schleifpapier vom 400er bis zum 1000er Korn samt Klotz
- u.U. Sprühgrundierung
- Chuck Norris)



Schritt 1 - Vorbereitung

Zuerst müssen wir das Material vorbereiten, dass wir später einschweissen wollen. Wir nehmen uns also unsere Golf 3 Frontlippen vom Schrott (Zustand: egal... Hauptsache ohne Lack drauf) oder ein passendes Äquivalent und zerlegen die Teile mit der guten alten Gewalt. Wichtig: Es muss das gleiche Materaial sein, wie Eure Schürze. Also PP. Ich habe sie z.B. mit einer Blechschere in ca. 20x20mm grosse Stücke geschnitten.

Dann nehmen wir die Reißzwecken und rammen sie durch den Boden der Blechdose (wichtig: unbedingt Blech nehmen, ob Nivea oder nicht ist egal...) in das Stück Holz und befestigen sie so. Warum? Ganz einfach - die Dose wird später heiß sein und so kann man sie prima am Holzstück anfassen.

So weit so gut...



Schritt 2 - Weg mit dem Lack

Als erstes müssen wir sorgfältig den Lack aus der Sicke holen. Dazu empfehle ich mal wieder rohe Gewalt und eine Raspel. Erfahrungen zeigen, dass aber auch Drahtbürstenaufsätze gut geeignet sein sollen. Der ganze Lack muss runter - auch über die Sicke hinaus. Ein breiter Rand um die Sicke und andere zu schweissende Teile (bei mir noch die oberen und unteren Aussparungen) muss vollkommen lackfrei sein.

Siehe hierzu Bild 1.



Schritt 3 - Optional: Einzuschweissende Teile vorbereiten

Wer größere Teile einschweissen will, sollte sich für diese zuerst aus Pappe am Werkstück eine Schablone anfertigen und dementsprechend die Stücke fertigen. Lieber erst zu gross und dann Stück für Stück Material wegnehmen, bis das einzubauende Teil gut passt.

In Bild 2 zu sehen ein Stück zum Schliessen der Blinkeraussparung und die Blinkeraussparung vom Golf 2 für die unteren Lufteinlässe.



Schritt 4a - Sicken schliessen

Hosen hochziehen - es geht ans Eingemachte. Aber schwer ist es nicht.

Wir nehmen uns ein paar unserer PP-Fetzen und schmeissen sie in die Dose. Der Heißluftfön sorgt nun dafür, dass das Material weich und geschmeidig wird. Nicht zu sehr erhitzen - es soll sich nur gut kneten lassen, wie ein Plätzchen-Teig. Mit dem kleinen Spachtel könnt Ihr in der Dose rumwühlen, umrühren und die Konsistenz checken. Festhalten funzt über das Holzbrett - Mädchen können auch gerne eine Handschuh dabei tragen.

Seid Ihr damit zufrieden, nehmt das Material auf die Kelle und geht an die Schürze ran. Haltet sie kurz vor die Stelle, wo Ihr schweissen wollt und wärmt mit dem Strahl des Föns das Material auf dem Spachtel UND die Sicke. Wichtig: Die Sicke muss warm sein, damit sich das Material verbindet. Wird sie aber zu heiß, kann sich die Schürze verziehen! Also laßt Vorsicht walten!

Dann kommt der Moment - drückt das weiche PP einfach in die Sicke. Es hat sich bewährt, erst mit einem kleinen Spachtel das Material kräftig in die Sicke zu drücken. So wird sie zwar im ersten Durchgang nicht ganz voll, aber dafür kommt das Material überall hin und es gibt keine Lufteinschlüsse.

Verfahrt so rundherum. Material schmelzen, warm halten, Sicke erwärmen, rein drücken...

In der Tiefe sollte dann die Sicke bald geschlossen sein. Sind alle Vertiefungen geschlossen, kann man den breiteren Spachtel nehmen und dann den Rest der Sicke flächig füllen. Nehmt ruhig zu viel Material, also macht die Sicke übervoll. Das, was übersteht kann später wieder runtergeschliffen werden. Da, wo zu wenig ist, müsst Ihr entweder nachbessern oder später mit Füllspachtel pfuschen...



Schritt 4b - Teile einschweissen

Hier kommt nun der Lötkolben zum Einsatz. Legt das einzuschweissende Teil an seine Stelle, haltet es gut fest und fixiert es an den wichtigsten Punkten erstmal. Wie? Ganz einfach: Geht mit dem Lötkolben in den Spalt zwischen Schürze und Kleinteil, schmelzt so das Material beider Stücke an und verbindet es durch - salopp gesagt - leichtes rühren.

Nach dem gleichen Prinzip kann dann beruhigt der restliche Spalt rundherum bearbeitet werden. Lötkolben in den Spalt, anschmelzen, Material verbinden.

Da, wo zu wenig Material vorhanden ist, kann man noch kleine PP-Stücke anhalten und dieses Material mit dem Lötkolben quasi vor Ort schmelzen und dann einbringen.

Mit einem breiten Lötkolben kann man später auch prima Unebenheiten ausgleichen. Aber auch hier auf die Hitze achten.

Siehe dazu Bild 3.



Schritt 5 - "Ich war nur eben meine Stange schleifen!"

Igitt, Schmutzfink. Nichts böses denken! Schnappt Euch die oben angeführten Schleifutensilien und schleift los. Schleift, was das Zeug hält. Schleift, als würde es kein Morgen geben.

Fangt natürlich grob an (bei viel Überstand auch gerne wieder mit der Raspel) und arbeitet Euch hin zum feinen Korn.

Zum Ende hin bin ich zum Schmirgeln mit der Hand bzw. dem Klotz übergegangen, um eine möglichst plane Fläche zu erhalten. Feinstes Korn war hier das 400er.

Siehe dazu mein Ergebnis in Bild 4.



Exkurs - Glätten

Gehört nicht zum Schweissen, gehört aber trotzdem hier her, wenn Ihr eine glatte cleane Schürze wollt.

Schnappt Euch einen guten Füll- bzw. Feinspachtel, der für Stoßstangen/PP geeignet ist (KEIN Polyesterharz oder GFK-Dreck) und glättet die Sicke sanft mit z.B. einem Japan-Spachtel.

Dann wird wieder geschliffen - von Hand mit Gefühl und Klotz. Am Besten immer nur in eine Richtung (waagerecht mit dem Verlauf der Ex-Sicke), damit die Fläche auch ja glatt wird. Wieder bis zu sehr feinem Papier hin. Zum Ende hin gerne auch nass schleifen.

Wiederholt spachteln und schleifen, falls es noch grobe Unebenheiten geben sollte. Falls Chuck Norris zur Hand Rundhousekicks zum Schmirgeln verwenden.

Dann schnappt Euch Sprühspachtel oder besser Füller und füllert Eure Schürze. Ist der Füller durchgetrocknet, könnt Ihr den Füller nass und mit sehr feinem Papier (1000er) anschleifen und auf's Lackieren vorbereiten.

Entstaubt, entfettet und grundiert wäre die Schürze dann bereit für Ihr Lackkleid.



Schritt 6 - Fertig!

Wenn das Ding vom Lacker kommt und Ihr alles richtig gemacht habt, seid Ihr hoffentlich zufrieden. Das Ergebnis meiner Schweisserei seht Ihr in Bild 5.


Viel Erfolg!

cu, db08

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Zuletzt bearbeitet von noxious am 05.05.2008, 10:20, insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 05.05.2008, 07:32 Antworten mit ZitatNach oben

falls es fragen oder anregungen zu diesem artikel geben sollte, dann schreibt mir oder einem mod aus diesem bereich bitte eine PN

-oder-

eröffnet einen thread mit eurer frage im bereich "VKC Anleitung und Vorschläge" mit folgendem namen:

"[FRAGE] Plastikschweissen für den Hausgebrauch"

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